Tagblatt Zeitungsartikel vom 12.12.2009

Regionkultur: 12. Dezember 2009, 01:02

Cineastische Detonationen

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Der St. Galler Elektronik-Musiker Marcel Gschwend alias Bit-Tuner, der in Zürich lebt und arbeitet, veröffentlichte letztes Jahr sein Début «Toxin» beim Hamburger Umbruch-Label. Nun erscheint bei der Zürcher Etikette «Trepok Records» der Nachfolger. Der Titel ist dabei Programm: «Low-Speed Detonation» ist ein düsteres, mit Dubstep und Grime gewürztes Downbeat-Album.

Über dessen schweren Beats und wummernden Bässen entwickeln sich die Songs Stück für Stück zu sphärischen Klanglandschaften, nur um im nächsten Moment die aufgebaute Spannung explosionsartig wieder freizusetzen und in sich zusammenzustürzen.

Musik auf den Punkt bringen

Was beim ersten Hören als sperrige Kulisse aus elektronischen Klängen, Beats, Geräuschen, Samples und Effekten erscheint, entpuppt sich bei mehrmaligem Hören als ein behutsam zusammengesetztes Kunstwerk, in dem jedes Element den nötigen Raum bekommt. Bit-Tuner bezeichnet sein neues Werk denn auch als «Gesamtwerk»: «Ich wollte die Musik auf den Punkt bringen, gleichzeitig mein gesamtes künstlerisches Spektrum einfliessen lassen und es in konkrete Songs verpacken. Das Album sollte in sich schlüssig sein sowie einen Anfang und ein Ende haben.»

Das Wichtigste sei die Kraft eines Stücks: «Es gilt, die optimale Kombination von Beat und Bass zu finden. » Schliesslich müsse aber jedes Stück «für sich Sinn machen, eine Seele oder einen eigenen Ausdruck haben» und als Werk seines Schöpfers erkennbar sein, sagt der Musiker.

Druckvolle Filmmusik

Das Konzept hinter der Platte sei gewesen, einen Bezug zur Filmmusik herzustellen – einem Einfluss, der schon lange in seiner Musik durchschimmere, so der Künstler – und die Hörer in eine ganz bestimmte Stimmung zu versetzen. Er habe versucht, eine «Horror-Splatter-Gore-Thriller Movie-Atmosphäre zu schaffen, ein Album, das sich möglichst wie ein Soundtrack anhören soll», sagt Bit-Tuner. Auch die Erfahrungen, die er in den letzten Jahren bei vielen Live-Auftritten gesammelt habe, seien in die Platte eingeflossen: «Die Virtuosität und Spontaneität, die auf der Bühne eine wichtige Rolle spielen, sollten sich auch auf der neuen Platte finden», sagt er. Die Druckwellen seiner Detonationen fallen denn auch live noch wuchtiger aus als auf den Alben. Zu erleben ist das heute abend im Palace.

David Gadze

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